Jahresbericht 2023

Gerne überbringe ich den Gruss und die Dankesworte aus Béog-Neeré.

Zu Beginn des Schuljahres 2023/2024 wohnen 23 Kinder (28 Kinder im Vorjahr) im Heim. 5 Kinder (11 Kinder im Vorjahr) besuchen die Schule Maurice Lack und 7 Kinder (10 Kinder im Vorjahr) gehen ins Lyceé de L’Alliance Chrétienne (LAC), eine weiterführende Schule gegenüber dem Heim und 5 Kinder besuchen verschiedene höhere Schulen in der Umgebung. 4 begabte Jugendliche verbringen das Schuljahr als Internatsschüler in Ziniaré und 2 Kinder sind in einer Internatsschule für praktische Berufe in Goundy eingeschrieben.

Unser Verein kommt im Jahr 2023/2024 für 37 Kinder und Jugendlichen (im Vorjahr 36) auf.

Anfang des neuen Schuljahrs 2023/2024 haben 3 Kinder den schützenden Rahmen des Heims verlassen.

Jean Coulibaly, 10jährig kehrte nach den Sommerferien nicht mehr ins Heim zurück und besucht die Schule in seiner Heimatstadt Bodo Dioulasso.
Oumar Coulibaly, 9jährig blieb ebenfalls in Bodo Dioulasso.
Christoph Traoré, 13jährig blieb bei seiner Mutter und wurde in der Schule La Lumière Tégawendé in Boulmiougou eingeschrieben.

Von den 9 Externen Jugendlichen (im Vorjahr 12 Externe Jugendliche) für die wir die Schule, zum Teil die Unterkunft und das Essen bezahlen, hat sich bis Ende 2023 einiges getan.

Alex Ilboudo , 11jährig besucht weiterhin die Schule in seinem Heimatsgemeinde Sing-Naba.
Epiphane Ilboudo, 17jährig ist derzeit am Centre Austro im Fachbereich Solarenergie im 1. Jahr eingeschrieben.
Idrissa Sana, 28jährig, schloss sein Studium in Geologie an der Uni Joseph Ki-Zerbo de Ouaga erfolgreich mit dem Bachelor ab. Als Geologe würde er gerne in einer Miene arbeiten. Leider befinden sich diese meist im Norden, wo die Unruhen toben und die Bevölkerung von verschiedenen Gruppierungen unterdrückt werden. Im Moment gibt er Nachhilfeunterricht.
Hassan Tassembédo, versucht sich mit kleineren Arbeiten über Wasser zu halten, möchte aber wieder an die Uni gehen.
Michael Zongo, 24jährig, beendete sein Studium mit den Bachelorabschluss. Leider wurde er an der öffentlichen Schule nicht für den Master zugelassen, da er unter den 25 Besten aller öffentlichen Schulen sein müsste.
Julien Ouédraogo ist derzeit in Ziniaré für Elektrik eingeschrieben.

Externe in Berufsbildungswerkstätten oder Selbsterwerbstätige, die immer noch vom Verein regelmässig 1 Mal pro Quartal besucht und auch finanziell unterstützt werden.

Amidou Barry, 21jährig, beendete erfolgreich seine Lehre als Schneider. Nach wie vor flickt er gegen einen kleinen Lohn in der Schneiderwerkstatt in Beog-Neeré die Kleider seiner Kameraden.
Souleymane Garané, 15jährig, setzt seine Lehre als Schweisser an seinem Wohnort Zagtouli fort.
Abdoul Samadou Sawadogo, 17jährig, arbeitet als Mechaniker für grosse Maschinen.
Mamadou Tassembedo, 14jährig absolviert eine Ausbildung als Hühnerzüchter bei seinem Onkel.

Krankheiten der internen Kinder
12 Kinder erkrankten im Laufe des Jahres an Malaria und 2 Kinder an Dengue-Fieber. Zum Teil mussten sie sich in Spitalpflege begeben. 1 Kind erkrankte an Windpocken und es erstaunt, dass sonst keines der Kinder angesteckt wurde. Einige der Kinder klagten über Kopf- und/oder Bauchschmerzen, manche mussten eine Angina auskurieren und wieder andere verstauchten sich die Glieder. Solange Tassembedo, unsere Direktorin, musste im März ebenfalls eine Malariaerkrankung über sich ergehen lassen

Amidou Barry wird in regelmässigen Abständen im Nationalen Universitätsspital Yalgado untersucht und überwacht. Er leidet an der seltenen Sichelzellenanämie, die ihm oft sehr grosse Schmerzen bereitete. Es freut uns sehr, dass sich sein Gesundheitszustand seit der Behandlung durch einen Facharzt für Hämatologie stark gebessert und er viel weniger Schmerzen hat.

Immer wieder werden wir über den Tod eines Elternteils informiert. Im Jahr 2023 verstarb der Vater von Souleymane Garané. Leider verlor auch William Tapsoba, ein ehemaliges Kind unseres Heims und ein sehr erfolgreicher Unternehmer, seine Frau.

Personelles
Für das Zentrum arbeiten 10 Personen in einer Vollanstellung, 2 Personen in einem Teilzeitverhältnis, (im Vorjahr 15). Der Vorstand von Kiswendsida, mit Joanny Tabsoba als Präsident, Béatrice Monné als Quästorin sowie Solange Tessambédo, die neu in den Vorstand berufen wurde, sind für einen reibungslosen Betrieb im Heim besorgt. Unterstützt wird der Vorstand durch den Sekretär Job Armand Kanaba, der alle Berichte verfasst und an jeder Sitzung anwesend ist. Sie Alle stehen auf unserer Lohnliste. Solange Tassembédo arbeitet weiterhin im Heim als Direktorin in einem 100 % Pensum. Einzelne kleinere Mandate wurden das ganze Jahr über von Joanny Tabsoba an geeignete Personen vergeben.

Seit Anfang 2023 wurde die vakante Stelle einer Erzieherin ausgeschrieben und im Juni musste auch für die zweite Stelle ein geeigneter Mitarbeiter gefunden werden. Glücklicherweise wurden in den Personen von Herrn Maximilian Hien, Sonderpädagoge und Frau Ella Ouédraogo, Pädagogin zwei bewährte und engagierte Kräfte eingestellt. Auch die Stelle eines Hauswarts konnte besetzt werden. Herr Mohamandi Nikièma ist gelernter Metallschweisser und zuständig für alle Gerätschaften, für kleineren Reparaturen und die Wartung von Anlagen. Alle drei BewerberInnen haben die dreimonatige Probezeit erfolgreich abgeschlossen.

Ein tragischer Todesfall beschäftigte lange Zeit die gesamte Belegschaft von Béog-Neeré. Drissa Coulibaly verunglückte am 26. Juni tödlich mit seinem Töff. Er war seit September 2018 im Heim als Animateur-Erzieher angestellt. Sein besonnener und ruhiger Umgang mit den Jugendlichen sowie sein zurückhaltender Charakter Vorgesetzter gegenüber wird schmerzlich vermisst. Drissa war eines unserer ehemaligen Kinder, dem es vergönnt war, eine gute Schulbildung zu geniessen und dadurch eine erfüllende Arbeit zu finden. Er war der erste männliche Erzieher seit Bestehen des Heims.

Hygiene
Wie jedes Jahr führt Béatrice Monné die Kinder in die einfachsten Hygienemassnahmen ein. Das Händewaschen sowie der Gebrauch von Moskitonetzen werden im Kreise aller Kinder geübt. Vor jedem Essen bilden die Kinder eine lange Reihe vor dem offenen Gesellschaftsraum und warten geduldig, bis sie ihre Hände waschen können. Zwei Mal am Tag duschen alle Kinder und Jugendliche. Béatrice Monné klärt die Bewohner des Heims über die Krankheiten Malaria und Dengue-Fieber auf und erklärt, wie man sich dagegen schützen kann. Jeden Samstag waschen die kleineren Kinder unter der Obhut einer Köchin ihre Kleider und die Jugendlichen erledigen diese Arbeit selbstständig am Sonntag.

Seit geraumer Zeit weisen Marianne und ich auf die Mundhygiene hin. Zwei Kindern wurden im Unterkiefer je zwei nebeneinander liegende Backenzähne gezogen. Wir sind überzeugt, dass mit gezielten Massnahmen eine dermassen drastische Behandlung zu vermeiden wäre!

Unser eingezäuntes Gelände ist in etwa zwei gleich grosse Flächen geteilt.

Im 1. Hof stehen die Schlafräume, das Sekretariatsgebäude, die Küche, zwei Paillottes, WC’s, Duschen und die Schule Maurice Lack. Hier befindet sich auch der handbetriebene Brunnen.
Im 2. Hof steht das Magazin, der Hühnerstall und der zurzeit ungenutzte Schweinestall. Der solarbetriebene Brunnen befindet sich neben dem Gemüsegarten, der mit einem Zaun vom Rest abgetrennt ist. Der Gemüsegarten nimmt etwa ein Drittel des zweiten Hofes ein.

Garten- und Feldarbeit
Die Gartenarbeiten bereiten allen Kindern immer noch grosse Freude. Unter der Leitung von Richard Kafando wurde der Gemüsegarten in eine grüne Oase verwandelt. Es wurden 10 verschiedene Gemüsesorten angepflanzt und geerntet. Der Überschuss verschiedenster Pflanzen wurde verkauft und mit dem Erlös konnten neue Samen für das Folgejahr gekauft werden. Mit Unterstützung des Personals und einigen Eltern begann in der Regenzeit im Juni die Feldarbeit. Bohnen-, Erdnuss- und Maiskörner sowie Süsskartoffeln wurden in die gerodeten und gut vorbereiteten Flächen gesteckt. Das Ernten der Feldfrüchte erfüllen die Kinder mit Freude und Genugtuung. 6 Kg Mais, 69 Kg Erdnüsse, 27 kg Bohnen und 80 Kg Süsskartoffeln sind das stolze Ergebnis der harten Arbeit.

Kompostgrube
Wie jedes Jahr sammeln die Kinder im Dezember auf dem ganzen Gelände alles Verwertbare für die Herstellung von Kompost. Der wird mit Mist und Asche angesetzt und mit Wasser getränkt. Danach lässt man ihn reifen. Verwendung findet er in neuen Pflanzgruben der Bäume und wird im ganzen Garten verteilt. Zur Gewinnung des wertvollen Komposts musste nur der Mist eingekauft werden.

Aufforstung und Pflege der Bäume
Wie immer pflegen die Kinder ihre Bäume selber und während den Ferien werden sie durch den Tageswächter mit dem nötigen Nass versehen. Die Bäume der Kinder stehen im 2. Hof im Gelände oder im Gemüsegarten. Von anfänglich 73 Bäumen standen an Ende des Jahres noch 58 Bäume. Alle 8 Papayabäume sind eingegangen sowie 4 Guaven- und 3 Mangobäume. Die Ursache wird hauptsächlich im Termitenbefall gesehen.

Hühnerhof
Anfangs 2023 scharrten 3 Hühner, 4 Junghennen und 1 Hahn um die Wette um saftige Würmer. Um die Zahl der Hühner zu erhöhen wurden befruchtete Eier gekauft aus denen 14 Küken schlüpften. Der Hühnerstall stand über viele Jahre leer und mit den neuen Hühnern ging ein lang gehegter Wunsch der Kinder in Erfüllung.

Sommercamp, Feriencamp, Camp vacance
Bereits konnte das 6. Sommercamp durchgeführt werden, das auf je 2 Mal 3 Wochen verteilt wurde. Der erste Teil fand zu Beginn der Sommerferien und der zweite Teil vor Beginn des neuen Schuljahres statt. Die Kinder wurden wie immer in 4 Gruppen eingeteilt.

Verschiedene Werkstätte ausserhalb des Zentrum Béog-Neeré
In der ersten Phase des Feriencamps durften die Heimbewohner ihrem Berufswunsch nachgehen. 2 Kinder wollten das Kleben von Reifen im Atelier von Moumouni Kanazoé erlernen. 5 weitere Jugendliche interessierten sich für die Motorradmechanik im Atelier von Alexandre Kabré. Im Workshop von Pascal Ouiya, unserem Nachtwächter wurden 2 Kinder in das Waschen und Bügeln von Kleidungsstücken eingeführt. 5 Jugendliche schnupperten mit grösstem Vergnügen im Coiffuresalon von Mohamed Sawadogo, der im Übrigen allen unseren Kindern die Haare schneidet. 1 Jugendliche wurde im Studio von Richard Zongo in die Geheimnisse des Zeichentrickfilms eingeführt. Leider wurde dieser Workshop aufgrund des Todes von Drissa Coulibali unterbrochen. Unter der Leitung von unserem neuen Hauswart wurden Türstopper aus Beton hergestellt und nach dem Trocknen bemalt. Die 4 neuen Schornsteine wurden mit Mustern verziert und die verblichenen Malereien an den Mauern wurden restauriert und zum Teil ergänzt. Es freut mich besonders, dass die Ideen, die Marianne und ich nach Burkina mitbringen oder übermitteln im Heim Anklang finden.

Alfred Kaboré und Sidwaogo Ziwaga, die bereits seit zwei Jahren am Lycée Privé de Formation Technique Elektromechanik studieren sowie neu Gabriel Sawadogo, durften ein Praktikum in der Autowerkstatt von Saïdou Miningou besuchen.

Fussballtraining
Die Einführung in das Fussballspiel wurde von Sié Parfait Palm vom Zenith Sport Management (ZSM) gegeben. Mit grossem Eifer trainierten 15 Kinder 2 ½ Stunden täglich das Fussballspiel. Der Trainer ist mit der Disziplin und den Fortschritten der Kinder sehr zufrieden.

Informatik
Unter der Leitung von Youssouf Barry, einem Informatiker, wurden 10 Jugendliche an 6 Tagen zu je 4 Stunden angewiesen, Wartung und Reparaturen an einem Laptop durchzuführen. Dafür zerlegten und reinigten sie die zur Verfügung stehenden Geräte und setzten sie wieder zusammen.

Reparaturen
Wie jedes Jahr fallen Reparaturen an Gebäuden und Infrastrukturen an. Die Klärgruben müssen entleert werden und die Türen erhalten einen neuen Anstrich. Diese Arbeiten werden durch unseren neuen Hauswart Herrn Mohamandi Nikièma ausgeführt.

Die Festtage der verschiedenen Religionen wie der Ramadan, das islamisches Osterfest sowie das Oster- und Weihnachtsfest der Christen konnten wie geplant durchgeführt werden. Da das Tabaski Fest mit dem Tod von Drissa Coulibaly zusammenfiel, musste es ausfallen.

Das Heim wurde nur von einer Institution besucht. Am 15. September 2023 kamen zwei Vertreter der NGO APADE im Zusammenhang mit der Gesellschaft ISV International, um das Heim kennenzulernen.

Der Chramschopf Zollikerberg überwies uns im Juli wieder die grosszügige Spende von CHF 20.000. Hier darf erwähnt werden, dass der Chramschopf seit der Gründung des Kinderheims im Jahre 1994 bis heute CHF 473'000 gespendet hat. Marianne und Hans Theurer verkauften wie jedes Jahr mit grossem Erfolg riesige Mengen an selbstgemachter Konfitüre. Ich durfte bereits zum 3 Mal meine Weihnachtskreationen an Freunde und Bekannte verkaufen. Im Gesamten erhielten wir im Kalenderjahr 2023 Spendengelder über CHF 79'805.. Wir dürfen seit sehr vielen Jahren auf treue Spender zählen.

Wir haben die Unterhaltszahlungen für Béog-Neeré in zwei Tranchen überwiesen. Am 5. Januar 2023 wurde die erste Tranche von CHF 26’000 überwiesen und am 15. Mai 2023 CHF 27’300 für das 2. Semester. Damit kann der Betrieb reibungsfrei aufrechterhalten werden. Der Unterhalt für Béog-Neeré beläuft sich im Kalenderjahr 2023 auf Total CHF 53'300. Diesen Betrag gaben wir für den Unterhalt des Zentrums, die Lohnerhöhungen für das Personal, das zum ersten Mal in den Genuss einer solchen kam und diversen kleineren Instandsetzungen aus.

Im Gesamten überwiesen wir für das Jahr 2023 CHF 81'800 nach Burkina, wovon am 23. Dezember 2023 CHF 28'500 für das neue Betriebsjahr einbezahlt wurde.

Regelmässig über das Jahr verteilt haben Marianne und ich Ausschusssitzungen zum Wohle unserer Kinder abgehalten. Wir trafen uns 4x zu Besprechungen. Dabei blieb es natürlich nicht, da Mails nach Burkina verfasst und gesendet sowie Mails aus Burkina empfangen und beantwortet werden mussten. Wir betreiben ein reger Austausch mit Joanny Tabsoba. An dieser Stelle möchte ich Marianne ganz herzlich für ihren riesigen Arbeitseinsatz danken wie auch dem übrigen Vorstand für ihre Unterstützung in den Diensten unserer Kinder von Béog-Neeré.

Im Juni 2024 Monika Kessler

P.S. Das Schuljahr in Burkina Faso beginnt im September und endet am 31. Mai. Die erhobenen Zahlen der Kinder und der Erwachsenen stammen alle zu Beginn des neuen Schuljahres 2023/2024.

Davon werden in der Rechnung CHF 14'000 als gebundener Betrag verbucht. Dieser wird für die Schule, die Unterkunft und das Essen der Kinder ausgegeben, die in Internaten untergebracht sind

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