Flavien Ouedraogo

Automechaniker und Chauffeur

OUEDROGO Flavien geboren am 21. September 1993

Mein Name ist Flavien Ouédraogo und ich bin am 21. September 1993 in Ouagadougou geboren. Als ehemaliger Schüler der Auffangstation für Strassenkinder in Schwierigkeiten Béog-Neeré, nahm ich am Förderungsprogramm der Kinder teil, die im Jahr 2000 ins Zentrum aufgenommen wurden. Dank der Unterstützung des Vereins Hilfswerk für Heim- und Strassenkinder Burkina Faso und der Asso. Kiswendsida wurde ich zum Automechaniker ausgebildet. Ich möchte deshalb meine Lebensgeschichte erzählen, um zu zeigen, dass niemand ganz allein gelassen wird.

Meine Familie setzte sich zusammen aus meinem Vater Michel, meiner Mutter Lucienne, meinem grossen Bruder Victor und meiner kleinen Schwester Asséta Rosine. Mein Vater starb, als ich fünf Jahre alt war. Die Lebensbedingungen in der Familie wurden sehr schwierig. Die geringsten Bedürfnisse konnten nicht mehr gedeckt werden. Darum wurden ich und meine Geschwister unserem Onkel Emile Ouédraogo, dem älteren Bruder unseres Vaters, und seiner Frau Léonie anvertraut. Unsere Mutter musste uns verlassen um sich wieder zu verheiraten. Mit unseren Cousins Jacques, François, Paulin und Wildfried waren wir sieben Kinder, für die mein Onkel die Verantwortung tragen musste. Die Eingliederung in die Familie meiner Verwandten war perfekt. Sie haben uns unterstützen wo immer es ging. Von unseren richtigen Eltern wurde nie gesprochen. Wir wurden wie ihre eigenen Kinder behandelt. Ich habe erst mit zehn Jahren erfahren, dass meine Adoptiveltern nicht meine richtigen Eltern waren. Als pensionierter Metzger wurden die Lebensumstände für die neunköpfige Familie immer schwieriger, da wir nur von seiner bescheidenen Rente leben mussten. Vor der Schule gingen wir kleinen Geschäfte nach, um etwas für die Lebenskosten dazu zu verdienen. Die Schule lag im Bezirk von Kamboinsin wie das Zentrum Béog-Neeré.

In ihrer zweiten Ehe, gebar meine Mutter weitere Kinder. Meine Halbgeschwister habe ich leider noch nicht kennengelernt. Als ich während den Schulferien meinen Geschäften nachging, habe ich auf der Strasse zufällig meine Mutter getroffen. Sie hat mich sofort wiedererkannt. Da sie verheiratet war und sich mit meinem Onkel nicht vertrug, trafen wir uns nur auf der Strasse, bis ich sie schlussendlich ganz aus den Augen verlor.

2011 habe ich meinen grossen Bruder Victor verloren und später habe ich vernommen, dass auch meine Mutter nicht mehr lebt.
Auf Anfrage der Sozialbehörde und im Einverständnis mit meinem Vormund, wurde ich im Jahr 2000 dem Zentrum Béog-Neeré übergeben. Das Zentrum kam für die Kosten der Schule, für Kleidung, Nahrung, medizinische Versorgung und die Unterkunft auf. Der Vorteil des Zentrums war, dass ich, abgesehen von der Schulbildung, auch eine Einführung in die Landwirtschaft und der Aufzucht von Tieren erhielte.
Ich habe die ganze Primarschule bis zum Certificat d’Etude im Zentrum Béog-Neeré absolviert. Ich entschied mich, nicht auf die Hochschule zu gehen, sondern eine Lehre als Automechaniker zu machen. Schon von klein auf faszinierte mich dieser Beruf. Der Verein Hilfswerk für Heim- und Strassenkinder Burkina Faso kam während der ganzen Ausbildung für die finanziellen Kosten als Externen von Béog-Neeré auf. Unter der Aufsicht der Asso. Kiswendsida begann ich als 15-Jähriger die Lehre in einer Garage im Quartier Dapoya in Ouagadougou. Die Lehre dauerte sieben Jahre. Ein Jahr nach dem Lehrabschlusses verliess ich 2015 diese Arbeitsstelle und wechselte in eine andere Garage im Quartier Tanghin, um meine Fähigkeiten in der Karosseriebearbeitung sowie in der Autoelektronik zu perfektionieren. Seit der Lehre wohne ich wieder in der Familie meines Onkels Emil und meiner Tante Léonie. Wir leben in Ouagadougou im Quartier Tanghin und die Beziehung unter uns ist sehr gut. Ich bin unverheiratet und kann von meinen Einkünften leben.

Bereits während der Ausbildung zum Automechaniker lernte ich das Autofahren. Um aber ebenfalls als Chauffeure zu arbeiten, musste ich zuerst den Führerschein erwerben. Diesen Wunsch konnte ich mir erst erfüllen, als 2016 Marianne Theurer und Monika Kessler bei einem Besuch in der Werkstatt spontan für die Kosten aufkamen. Bereits ein halbes Jahr später erwarb ich den lang ersehnten Fahrausweis. Dafür möchten meine Familie und ich unsere tiefe Dankbarkeit aussprechen. Es hat mir grosse Freude bereitet, anlässlich des erneuten Besuches von Marianne und Monika 2018 meinen Dienst als Chauffeur zur Verfügung zu stellen. Die Überraschung war perfekt, als ich sie am Flughafen abholen durfte.

Im Namen aller Kinder des Zentrums Béog-Neeré, möchte ich dem Hilfswerk für Heim- und Strassenkinder Burkina Faso für die Bemühungen, die sie tagtäglich für uns aufbringen, ganz herzlich danken. Im Namen aller entbieten wir ihnen unsere tiefste Wertschätzung.
Wie man so oft sagt: Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied! So träume ich von einer eigenen Garage, wo ich auf eigene Rechnung arbeiten kann. Meine Vergangenheit weckt in mir den Wunsch, Kindern in Not ebenfalls die Möglichkeit zu geben, aus ihrer Misere auszubrechen und bei mir eine Lehre zu absolvieren. Im Moment habe ich noch nicht die Mittel dazu. Ich bin jedoch überzeugt, dass ich eines Tages in der Lage sein werde, meinen Traum zu realisieren.

Flavien Ouédraogo

Ouagadougou, April 2018

Lebenslauf von Flavien Ouédraogo, ehemaliger Schüler des Zentrums Béog-Neeré

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